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So sind auch Dritte handlungsfähig

Entlastend: Eine Patientenverfügung sorgt im Ernstfall für Klarheit bei den Angehörigen. FOTO: LENETS_TAN - STOCK.ADOBE.COM

So sind auch Dritte handlungsfähig

Unfall oder Krankheit – wenn Menschen nicht mehr für sich selbst entscheiden oder sich ausdrücken können, müssen Entscheidungen oft vertretend von den Angehörigen übernommen werden. Abhilfe und Sicherheit schafft hier eine Patientenverfügung.

Gesundheit

Diese umfasst alle regelungsbedürftigen Lebensbereiche der handlungsunfähigen Person in vermögensrechtlicher und gesundheitlicher Hinsicht. Insbesondere sind darin auch lebenserhaltende Maßnahmen, wie beispielsweise künstliche Ernährung oder Organspenden als Teilbereich geregelt. Prof. Franz Lingenfelser, Mitglied des Ethikkomitee des Siloah St. Trudpert Klinikum ist Experte auf dem Gebiet der Patientenverfügung und erklärt, warum jeder Mensch eine solche Verfügung haben sollte. 

Welche Formalitäten gibt es bei der Patientenverfügung zu beachten?

„Die Verfügung muss schriftlich vorliegen und entweder eigenhändig unterschrieben oder von einem Notar beurkundet beziehungsweise beglaubigt sein. Sie ist sonst nicht wirksam. Wenn keine schriftliche Verfügung vorhanden ist, können Dritte für die handlungsunfähige Person nicht handeln. Es kommt dann im vermögensrechtlichen Bereich zu einer gerichtlichen Betreuung, im gesundheitlichen Bereich kommt es auf den mutmaßlichen Willen der handlungsunfähigen Person an, der aus früheren mündlichen Erklärungen oder unter Beteiligung der Familie zu ermitteln ist.“

Wie ist die Patientenverfügung aufgebaut?

„Neben der Eingangsformel gliedert sich die Verfügung zunächst in den vermögensrechtlichen Teil, sodann als Vorsorgevollmacht in einen gesundheitlichen Teil mit Behandlungsanweisungen im Krankheitsfall, schließlich in Bestimmungen zu lebensverlängernden Maßnahmen, etwa zur künstlichen Ernährung, Wiederbelebung oder künstlichen Beatmung.

Ebenso geregelt werden kann die Betreuung in einem Hospiz oder zuhause sowie die Begleitung durch Geistliche und Angehörige. Die in der Patientenverfügung enthaltenen Anordnungen sind für alle am Rechtsverkehr Beteiligten, für Ärzte, Pflegepersonal und Angehörige verbindlich.“

Muss die Patientenverfügung aktualisiert werden?

„Nein, wenn sich an Ihren Wünschen nichts geändert hat, behält die Verfügung lebenslange Gültigkeit. Bei Änderungen muss sie allerdings immer neu aufgesetzt werden. Zudem macht es Sinn, die Verfügung regelmäßig zu prüfen.“

Wer sollte über meine Patientenverfügung Bescheid wissen?

„In erster Linie die in der Verfügung bestimmten Bevollmächtigten, denen von der Verfügung gegebenenfalls unter Aushändigung der entsprechenden Urkunden Kenntnis gegeben werden muss.

Im Notfall muss medizinisches und pflegerisches Personal schnell Zugriff auf die Informationen haben. Insoweit ist es zweckmäßig, hierzu stets bei den persönlichen Papieren einen Zettel mitzuführen, der die Information über die Patientenverfügung und die Bevollmächtigten unter Angabe von Namen und Telefonnummern enthält.“