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Kundschafter für den Ausbildungsmarkt

Das richtige Händchen haben: Bei einem neuen Modellversuch wollen Ausbildungs- Scouts Angebot und Nachfrage am Lehrstellenmarkt erfolgreich zusammenführen. FOTO: EVERYTHINGPOSSIBLE - STOCK.ADOBE

Kundschafter für den Ausbildungsmarkt

 

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Auf der Suche nach Azubis soll ein neues Modell mit Ausbildungs-Scouts dabei helfen, den Fachkräftemangel zu beheben.Rosinenpicken bei der Auswahl von Azubis? Das ist spätestens seit Beginn der Corona-Krise für viele Betriebe vorbei. Vielerorts fehlen Bewerber. Ein neues Modell aus dem Südwesten soll Abhilfe schaffen.Baden-Württemberg will unter anderem mit den Ausbildungs-Scouts den Fachkräftemangel eindämmen. Rund 262 000 Euro lässt sich das Ministerium das kosten und fördert fünf Vollzeit- und zwei Teilzeitstellen bei verschiedenen Trägern. Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) rechnet damit, dass ab dem Ausbildungsjahr 2022 mehr Schulabgänger einen Platz suchen, weil sich 2020 und 2021 viele zurückgehalten hätten.

„Durch Corona bilden viele Unternehmen weniger oder auch gar nicht mehr aus“, sagt Muhammet Karatas von der IHK Region Stuttgart. Grund dafür seien unter anderem Existenzängste der Unternehmer. „Viele fragen sich auch, was mit den Azubis passiert, wenn es ein Betrieb nicht durch die Pandemie schafft“, sagt der 44-Jährige. Als sogenannter Ausbildungs- Scout berät er Unternehmen kostenlos und wirbt dafür, mehr Ausbildungsplätze zu schaffen. Karatas Ziel ist es, bis Jahresende mindestens 200 Unternehmen zu erreichen.

Bundesweit sind laut einer Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) knapp 40 Prozent der Plätze im laufenden Ausbildungsjahr bis September nicht vergeben worden.

Die Zahl der Bewerbungen sinke zwar schon länger, durch die Corona-Pandemie habe sich der Rückgang aber nochmals verstärkt, sagt der Leiter des Instituts, Bernd Fitzenberger. „Die bestehende hohe Unsicherheit über die zukünftigen Entwicklungen lässt viele Jugendliche eher dazu neigen, länger im Schulsystem zu verbleiben“. Viele Schulabgänger würden aus demselben Grund auch ein Studium beginnen.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) weist darauf hin, dass die niedrigen Bewerberzahlen aber auch mit der sinkenden Zahl der Schulabgänger durch geburtenärmere Jahrgänge zusammenhängen.

Selbst wenn sich ein Schüler für eine Ausbildung interessiert, sind durch Corona Berufsberatung, Praktika und Ausbildungsmessen überwiegend ausgefallen. Fitzenberger hält aber gerade diese Dinge für wichtig. „Jugendliche haben vor Abschluss der Schule nur sehr unvollständige Vorstellungen über ihre beruflichen Neigungen und beruflichen Fähigkeiten“, erklärt der Institutsleiter.

Trotz mehr Ausbildungsplätzen als Bewerbern waren nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit 27 100 Bewerber im Januar 2022 noch ohne Ausbildungsplatz. Dieses Ungleichgewicht hängt unter anderem mit Unterschieden zwischen den Berufs- und Ortswünschen und ausgeschriebenen Stellen sowie fehlenden Qualifikationen zusammen.

Karatas hält das seiner Meinung nach schlechte Image von Ausbildungsberufen für einen Grund für die niedrigen Bewerberzahlen. „Viele junge Leute kennen nicht die Chancen, die eine Ausbildung bietet“, sagt er. Mit Imageproblemen speziell bei handwerklichen Ausbildungsberufen kämpft auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). „Nur mit genügend Azubis haben wir die dringend nötigen Fachkräfte in der Zukunft“, mahnt der Verband. dpa

27 100 Bewerber

waren laut Agentur für Arbeit im Januar noch ohne Ausbildungsplatz.