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„Klopapiereffekt“ bei Heizungen

Die Energiekosten schießen in die Höhe. FOTO: MARCO2811 - STOCK.ADOBE.COM

„Klopapiereffekt“ bei Heizungen

Die Unsicherheit der Verbraucher bezüglich der zukünftigen Wärmeversorgung ihrer Immobilien hat in den letzten Wochen zu einem Ansturm bei den Heizungsbauern in Baden-Württemberg geführt.

Wohnen & Garten

Der Fachverband Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg begrüßt zwar das Umdenken und die Entscheidung für den Einsatz erneuerbarer Energien, warnt jedoch davor, den Heizungstausch übers Knie brechen zu wollen.„In den vergangenen Wochen ist die Nachfrage nach Angeboten für Heizungen auf Basis von erneuerbaren Energien radikal angestiegen“, beschreibt Hauptgeschäftsführer Wolfgang Becker die aktuelle Situation. „Das freut uns sehr, bringt die Betriebe aber an ihre Grenzen.“ Den Unternehmen tue es weh, Kunden auf später vertrösten zu müssen, aber die enorme Nachfrage könne nicht von heute auf morgen bewältigt werden. „Das ist wie beim Kauf von Klopapier im vergangenen Jahr. Alle wollen aus Angst vor einer Knappheit gleichzeitig die doppelte Menge. So etwas kann nicht gut gehen.“

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Anders als beim Klopapier sieht der Verband jedoch kurzfristig echte Beschränkungen am Markt. Neben der vollen Auslastung berichten viele Installations- und Heizungsbaubetriebe derzeit von Lieferengpässen, beispielsweise bei Wärmepumpen. Ein Liefertermin in mehreren Monaten oder sogar erst in einem halben Jahr sind inzwischen nicht ungewöhnlich. Selbstverständlich tun auch die Hersteller momentan alles, um weitere Kapazitäten aufzubauen.

Nach Einschätzung des Verbandes wird der Heizungstausch das Problem der Öl- und Erdgasabhängigkeit nicht kurzfristig lösen können. Von den etwa 43 Millionen Wohnungen in Deutschland werden rund die Hälfte mit Gas und ein Viertel mit Öl beheizt. „Diese Infrastruktur wurde über Jahrzehnte aufgebaut. Selbst mit bestem Willen und beim Zusammenwirken aller Beteiligten sind die nicht in einem Jahr ausgetauscht“, so Becker. „Wir brauchen einen langfristigen und realistischen Plan.“

Entsprechend bittet der Verbandschef die Kunden um Geduld. „Wir raten dazu, den kurzfristigen Nachfrage-Boom abzuwarten und einen Heizungstausch langfristig zu planen, wenn die Hysterie wieder etwas abgeflacht ist.“ pm

Das berühmte Kleinvieh

Um CO2 zu sparen und die Abhängigkeit von russischen Energieimporten zu reduzieren, empfehlen die Experten des Fachverbandes als schnell umsetzbare Möglichkeit, die Heizungsanlage zu optimieren. Dies ist beispielsweise durch einen hydraulischen Abgleich, den Einbau einer Hocheffizienzpumpe, die Dämmung der Heizungsrohre oder den Einbau großflächigerer Heizkörper realisierbar. All diese Maßnahmen steigern die Effizienz der vorhandenen Heizungsanlage. Es wird Energie und CO2 eingespart und so der Geldbeutel auf Dauer geschont. pm